Einmal werden wir noch wach…

Die Mauer bei Beit Awa.

Die Mauer bei Beit Awa, westlich von Hebron. Foto: CC-BY-SA Marc Berthold

Barack Obama hat es satt. Vier Jahre lang musste er sich von seinen amerikanischen Gegnern und aus Israel anhören, warum er in seiner ersten Amtszeit nie hier war. Im Januar sagte er noch, er komme erst, wenn es Fortschritte im Nahost-Friedensprozess und etwas zu tun gebe. Nun kommt er doch. Morgen. Zwei Tage nach Vereidigung der neuen Regierung. Zum Zuhören. Manche sagen sogar, als Tourist.

Wir hören, er will keinen Druck ausüben. Einen neuen Friedensplan hat er schon gar nicht im Gepäck. Ist auch besser so, schreibt Matt Duss, vom Obama-nahen Think Tank „Center for American Progress“ nach einer Woche von Gesprächen am Rande der Herzliya-Konferenz. Weder Palästinenser noch Israelis seien derzeit politisch in der Lage oder gewillt eine konkrete Einigung zu erzielen, geschweige denn umzusetzen. Eine ähnliche Einschätzung hörten auch Kerstin Müller, außenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, und ich, als sie vergangene Woche in Israel war.

Was macht Obama also hier? – Morgen trifft er Präsident Shimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er besucht eine Stellung des Raketenabwehrsystems „Iron Dome“, das Israel vor Angriffen aus dem Gaza-Streifen und von Hisbollah aus dem Libanon schützen soll. Er wird das Israel-Museum in Jerusalem besuchen, um sich dort die biblischen Schriftrollen von Qumran am Toten Meer anzuschauen. Auch wird er einen Kranz am Grab von Theodor Herzl niederlegen, ebenso in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Schließlich will Präsident Obama nicht in der neugewählten Knesset sondern direkt zum israelischen Volk sprechen. Im Internationalen Konferenzzentrum von Jerusalem wird er eine Rede vor Student/innen halten. Gespannt wird erwartet, wie „politisch“ er in dieser Rede sein wird. Ein Politikum gab es bereits im Vorfeld: Das Weiße Haus hat die „rote Linie“ vor der Siedlung Ariel gezogen. Student/innen der umstrittenen Universität von Ariel sind nicht eingeladen. Die amerikanische Botschaft sagt, dies liege daran, dass nur Universitäten angesprochen wurden, mit denen sie bereits zusammenarbeitet. Die Universität selbst spricht von einem Boykott. Der Labour-Abgeordnete Nahman Shai fordert denn auch einen Boykott von Obamas Rede.

Derweil rührt der amerikanische Botschafter in Israel, Dan Shapiro, auf Facebook und Twitter kräftig die Werbetrommel für den Obama Besuch. Ein offizielles Video zum #ObamaInIsrael-Besuch darf natürlich auch nicht fehlen. Erinnerungen an Obamas Rock-Star-Auftritt in Berlin werden wach. Ganz so euphorisch wird sein Besuch hier jedoch nicht sein.

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Zwischendurch macht der US-Präsident auch einen Abstecher nach Palästina. Er wird sich mit Präsident Mahmud Abbas und Ministerpräsident Salam Fayyad treffen. Ein Besuch in der Geburtskirche in Bethlehem steht auch auf dem Reiseprogramm.

Alles ganz schön anstrengend für zwei Tage im Heiligen Land. Das wollen die Israelis den mitreisenden Journalist/innen nicht antun. Sie sollen sich die Mühe, in die besetzten Gebiete zu fahren, nicht machen müssen. Zur redaktionellen Entspannung haben die Israelis ein Medienzentrum eingerichtet, von welchem sie Obamas Besuch in Ramallah und Bethlehem per Live-Stream verfolgen können. Ali Gharib, Editor des amerikanischen Blogs „Open Zion“, der derzeit zwischen Ramallah und Jerusalem hin und her tingelt, fragt sich dabei, ob es bei diesem „Angebot“ wirklich nur um Stressvermeidung geht. Oder soll den Journalist/innen doch der ein oder andere Anblick erspart bleiben?

Ali und ich werden Obamas Besuch in Israel und Palästina, wie viele andere, hautnah verfolgen. Den Blick haben wir jedoch bereits auf das nächste Großereignis gerichtet: Ein leckeres Essen zum persischen neuen Jahr bei meinem Kollegen René und seiner Frau Neda in Ramallah. Norouz mobarak!

 

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