Schmerzende Waden in Bethlehem: Palästina-Marathon

Wie alles hier vor Ort ist auch der Lauf politisch: Der jetzt zum dritten Mal veranstaltete Palästina-Marathon wird jährlich von der internationalen Kampagne „Right to Movement“ veranstaltet. Der in Dänemark ansässigen Initiative geht es darum, auf das Grundrecht zur freien Bewegung innerhalb eines Landes (Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) aufmerksam zu machen – und wie eben jenes der Palästinenser in der Westbank und im Gazastreifen verletzt wird. Das wird kaum in einer Stadt deutlicher als in der eingemauerten Stadt Bethlehem. Die historische nur wenige Kilometer entfernte Nachbarstadt von Jerusalem ist durch die israelische Sperranlage völlig von der arabischen Metropole Ost-Jerusalem abgeriegelt.

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Läufer bereiten sich auf den 3. Palästina-Marathon vor. Foto: CC-BY-SA René Wildangel

Die politische Aktion unterstütze ich mit meiner Teilnahme (die 10-Kilometer-Variante, nicht den Marathon: das reicht schon für schmerzende Waden), zwei Mitarbeiterinnen unseres Heinrich-Böll-Stiftungsbüros nehmen auch teil. Morgens um 5.30 geht es los in Richtung Bethlehem für den Lauf, der um 8 Uhr beginnen soll, da auch ich nicht weiß ob die israelische Armee Checkpoints schließt und den Lauf möglicherweise behindert. So wie dies bei zahlreichen anderen palästiennsischen Großveranstaltungen geschieht. Besonders in Jerusalem, wo aufgrund der israelischen Restriktionen das palästinensische Kultur- und Sportleben kaum stattfinden kann. Gegen den jährlichen Jerusalem-Marathon protestieren PalästinenserInnen und Menschenrechtsorganisationen, da er auch durch Teile des besetzten Ost-Jerusalems führt und die international nicht anerkannte israelische Annexion Ost-Jerusalems zementieren soll.

Immerhin 50 Läufer aus Gaza können in Bethlehem teilnehmen. Ihnen wurde von Israel die Erlaubnis zur Ausreise erteilt. Der Gazastreifen wird von Ägypten und Israel nahezu vollständig abgeriegelt, nur wenige Menschen können mit willkürlich erteilten Genehmigungen ausreisen. Wie sportlich die Läufer aus Gaza sind bewies Nader al-Masri. Der ehemalige Olympiateilnehmer (Peking 2008), dessen Haus bei israelischen Luftangriffen im Sommer 2014 zerstört wurde, gewann den Marathonlauf in der Siegerzeit von 2:47:15.

 

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