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Geschichten aus 1800 und einem Tag

1800 Colorful Centimenters

1800 Colorful Centimenters

Ein Gastbeitrag von Alisha Molter

Im Krieg verändert sich alles. Fünf Jahre, 1800 Tage lang, herrscht in Syrien nun der Bürgerkrieg. In diesen 1800 Tagen hat Syrien viel Farbe verloren, es ist verbleicht, ausgeblasst. Die syrischen Künstler Johnny Semaan und Kaed Haidar verleihen diesen Tagen nun wieder Farbe. Denn in dieser Zeit wurde in Syrien auch weitergelebt. Mit Acrylfarbe, Öl, Tusche und Pastell rekolorieren sie die schönen, kleinen Dinge im Leben der Menschen in Syrien und erzählen Geschichten von zwischenmenschlichen Beziehungen, tanzenden Derwishen, Fischermännern und Träumern.

1800 hochkantDiese Idee gefiel auch der Galeristin Nelsy Massoud, die sofort Feuer und Flamme für das Projekt der beiden Künstler war und kurzerhand ihre Galerie in Beirut zur Verfügung stellte. Bei einem Besuch der Ausstellung „Colorful centimeters- 1800 days“, die am fünften Jahrestag der syrischen Aufstände eröffnet wurde, trifft man mit etwas Glück den jungen Künstler Johnny Semaan an, der an der Kunsthochschule in Damaskus  sein künstlerisches Talent entwickeln konnte. Bei einem Kaffee im wunderschönen Garten der Galerie erzählt er dann von seiner Arbeit und seiner Freundschaft zu Kaed, mit dem er in seiner Geburtsstadt Latakia zusammen Kunst unterrichtet hat. Während Kaed weiterhin in Latakia lebt und arbeitet, wohnt der 30-Jährige Johnny mittlerweile in Beirut und träumt von weiteren Ausstellungen, auch in Deutschland.

Die 1800 intensiven, nachdenklichen, verwirrenden, mal witzigen und mal traurigen Skizzen und Zeichnungen sind noch bis zum 10. April in der Galerie 392Rmeil393 in Gemayzeh in Beirut zu bewundern.

1800 Colorful Centimenters

1800 Colorful Centimenters

Doch man sollte sich ranhalten, denn es gehört zur Ästhetik der Ausstellung, dass die kleinen, rund 10 x 15cm großen Bilder ihren Platz oder gar ihren Besitzer wechseln, von den Wänden verschwinden, um in privaten Zimmern wieder aufzutauchen. Um diese Form der Lebendigkeit der Ausstellung zu garantieren, sind die Bilder erschwinglich und man findet somit das ein oder andere Kunstwerk zum Mitnehmen.

Doch auch die, die es lieber groß mögen, kommen bei Johnny Semaan nicht zu kurz. Die Galeristin Nelsy Massoud ist so begeistert, dass sie gleich eine weitere Ausstellung mit dem Künstler im August geplant hat. Dann zeigt Johnny einige seiner großformatigen, Drei-Meter-Kunstwerke. Und wer weiß, vielleicht geht Johnnys Traum schon bald in Erfüllung, und wir werden sein Talent irgendwo in einer Galerie in Berlin bestaunen können.

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Alisha Molter

Alisha Molter

Alisha Molter hat einen Master in „International and European Governance“ (WWU Münster) und „Management des institutions culturelles“ (Sciences Po Lille). Nach einem Praktikum im Nahost-Büro Beirut der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt sie seit Mai 2015 das Büro Beirut als Beraterin.