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Mit Kanonen auf Spatzen schießen

Grauen vor Flusslandschaft – Südlibanon, November 2017

Wer im Herbst im Libanon unterwegs ist, findet viele Straßen in den Bergen gesäumt von Männern im Flecktarn. Um sie herum zwitschert und zirpt es wie in einem Vogelpark. Das entstammt den Lockgeräten, die die Jäger mit sich führen, wenn man tatsächlich eines Singvogels ansichtig wird, dann liegt er meist tot am Straßenrand. Auf Campingstühlen sitzen die Jäger neben ihren blitzblankpolierten Geländewagen. Wie bei vielen Sportarten im Libanon gilt die perfekte, teure Ausstattung als die halbe Miete, hinter der jegliche sportliche Erwägungen zurückstehen.

Die Jagdsaison beginnt im September und endet im Januar. Wieviele LibanesInnen sich tatsächlich auf Pirsch begeben, weiß niemand.  Offiziell in Jagdorganisationen registriert sind 15.000, doch ein Vertreter des Programms LIVE Lebanon der Vereinten Nationen schätzt, dass tatsächlich 100.000 bis 600.000 jährlich der Jagd frönen.. Freiwillige der Jugendorganisation von LIVE Lebanon  sammeln jedes Jahr schätzungweise 25 Millionen Patronenhülsen ein.

Besonders bedenklich ist die Jagd in dieser weitgehend unkontrollierten Form für die Zugvögeln, auf deren Route Libanonein Engpass ist. Sie sind besonders begehrte Jagdobjekte derer, die spektakuläre Beute vorzeigen wollen – und die keinerlei Hemmungen haben, eben diese auf Fotos im Internet zu präsentieren.

Immer wieder beeinträchtigen bizarre Formen, die Jagdlust auszuleben, jedoch nicht nur Flora und Fauna. So legten Jäger, die statt Schrotflinten angeblich schweres militärisches Gerät gewählt hatten, in diesem Jahr zeitweise die Stromversorgung in Teilen des nördlich gelegenen Akkars lahm, weil sie im Eifer des Gefechts Stromleitungen nachhaltig beschädigten.