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Der Veggie Day – Israelis stehen drauf.

Das vegane Restaurant Zaka'im. Foto: Sebastian Brux

Das vegane Restaurant Zaka’im. Foto: Sebastian Brux

Die Kritik am Veggie Day im Bundestagswahlkampf hatte ja schon bizarre Züge. Aber mich hat sie zumindest zum Nachdenken angeregt. Gepaart mit dem Fleischatlas der Berliner Kolleg/innen, die bislang erfolgreichste Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung, und einer Exkursion mit Freunden in Berlins vegane Restaurants habe ich im September mein eigenes kleines Experiment gestartet: Mal schauen, wie lange ich es ohne Fleisch aushalte. Ich hatte keine Lust auf eine Entscheidung für’s Leben, oder mich plötzlich als Vegetarier oder Veganer neu zu erfinden. Ich war erstmal einfach neugierig, was die vegane Küche so zu bieten hat. Heute ist der 15. November. Und Fleisch vermisse bislang nicht.

Was ich allerdings in Israel entdeckt habe, ist, dass ich hier wohl voll im Trend schwimme. Während die Supermärkte es Veganer/innen (noch) nicht leicht machen, ist es für mich absolut kein Problem, meine fleischlose Exkursion in Tel Aviv fortzusetzen. Abgesehen von dem Pionier Buddha Burgers, ein Schlaraffenland für alle Zeitan-Fans, haben in den letzten Jahren eine ganze Reihe von veganen Restaurants aufgemacht. Das neueste, Zaka’im, ist direkt um die Ecke unseres Büros und bietet vegane Speisen mit einem persischen Touch an.

Tierschutz-Aktivist/innen haben ein „Vegan Friendly„-Label erfunden, welches sie Restaurants verleihen, die mindestens ein veganes Gericht anbieten. Dazu zählen Ikonen, wie Orna & Ella auf der Sheinkin, oder eines der wenigen chinesischen Restaurants in Tel Aviv. Auch einige Autos mit dem Aufkleber „Auch ich bin ‚Vegan Friendly'“ habe ich in der Stadt schon gesehen.

Auch jenseits von Tel Aviv tut sich was. Buddha Burgers hat es mittlerweile bis nach Haifa und Eilat verschlagen. Der israelische Fernsehsender „Channel 2“ hat eine ganze Serie über Massentierhaltung ausgestrahlt, und kürzlich hat sich selbst Benjamin Netanjahu am Kabinettstisch geoutet, den eigenen Fleischkonsum zu überdenken. Sehr zur Freude der Justizministerin Tzipi Livni, selbst seit dem 13. Lebensjahr Vegetarierin, und des Umweltministers Amir Peretz, der gerne die Aufgabe des Tierschutz vom Landwirtschaftsministerium in sein Ressort holen würde. Oliver Welke fragt sich sicherlich, ob dass mit Peretz‘ Treffen mit Renate Künast und Winfried Kretschmann im letzten Frühjahr zu tun hat? Netanjahu scheint jedenfalls so langsam bereit zu sein, ihm diesen Gefallen zu tun.

Natürlich gibt es auch in Israel Widerstand gegen diesen Trend, besonders wenn der Premierminister ihn sich zu eigen machen will. Aber die Angst des Hermann Gröhe, man wolle ihm das verdiente Fleisch vom Teller nehmen, ist es jedenfalls nicht. In Israel kommt natürlich die Besatzung ins Spiel. Der skurrile US-Aktivist Gary Yourofsky, dessen YouTube-Rede zu Tierschutz weltweit bereits millionenfach und alleine in Israel mehr als 300.000 Mal angeschaut wurde, ist seit seiner ersten Vortragsreihe in Israel ein Superstar. Selbst Tzipi Livni hat ihn sich angehört. Im Dezember will er das heilige Land wieder beglücken, unter anderem mit einer Rede in der Siedlung Ariel.

Auf die Kritik von Friedensaktivist/innen daran, entgegnete er: “Humans are the SCUM of the earth. I don’t care about Jews or Palestinians, or their stupid, childish battle over a piece of God-forsaken land in the desert. I care about animals, who are the only oppressed, enslaved and tormented beings on this planet. Human suffering is a joke. Therefore, I will speak anywhere, in any city, in any country, in any location that will have me. I would lecture IN a Palestinian school if they would bring me in.”

Das schockierte dann doch sogar einige israelische Veganer/innen, die sich zwar dezidiert für Tierrechte einsetzen, aber Menschenrechte dafür dann doch nicht vom Tellerrand in den Mülleimer kippen wollen.