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Ein Fest für alle Sinne

"Jesus is born" - (c) Julie Dover

„Jesus is born“ – (c) Julie Dover

Ein Gastbeitrag von Julie Dover

Die Weihnachtszeit ist überall von einer ganz besonderen Stimmung geprägt. Im Libanon hat sie jedoch noch eine ganz eigene Note. Ich habe das Gefühl, dass hier alles viel intensiver als anderen Orts ist. Die Dekorationen entlang der Hauptstraße in Hamra, die Weihnachtsmänner vor den Läden in Gemmayzeh, die Süßigkeiten, die Passanten zum Fest der heiligen Barbara angeboten werden … Jeden Tag erinnert mich der monumentale Weihnachtsschmuck, zusammen mit den Weihnachtsliedern in der Straße daran, dass das große Fest naht. Auf den Märkten treiben sich die Leute auf der Suche nach den besten Geschenken für dieses besondere Fest herum. Auch ist es in den meisten Kirchen Beiruts eine schöne Tradition, in dieser Zeit Konzerte abzuhalten, von denen ich schon einige erlebt habe. Hier spielt es auch gar keine Rolle, welcher Konfession man angehört: alle kommen an diese heiligen Orte, um Musiker aus der ganzen Welt zu hören, wie sie klassische Stücke spielen. Ganz im Geiste der eigentlichen Weihnacht – der uralten Tradition, sich zu versammeln – wird hier gefeiert.

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Julie - PotraitJulie Dover hat einen Master in Internationalen Beziehungen des IRIS Sup‘ in Paris. Von Oktober bis Dezember 2015 forschte sie zu Wassermanagement im Libanon. Ihr Papier wird auch die derzeitige Müllkrise einbeziehen und beleuchten, inwieweit diese potentiell die Wasservorkommen des Libanons beeinflusst.

Trauter Schein und Design: Weihnachten in Byblos

Byblos 2015 (c) Lena Herzog

Byblos 2015 (c) Lena Herzog

Ein Gastbeitrag von Lena Herzog

Auch wenn sich das Wetter in Beirut für Deutsche wenig vorweihnachtlich anfühlt – auf den Straßen ist es unübersehbar, dass das Fest vor der Tür steht. Man hat hier ein Faible für außergewöhliche Dekoration, es scheint mir fast so, als ob zwischen den verschiedenen Geschäften und Straßenzügen ein Wettbewerb bestünde.

Neben FLaschenbürstenbäumen kann man auch Nussknacker im Schaufenster finden, für alle die, die es eher klassisch mögen.

Besonders stolz auf seinen Weihnachtsbaum ist man in der Stadt Byblos, einige Kilometer nördlich von Beirut. Inmitten einer belebten Einkaufsstraße taucht das diesjährige Exemplar vor uns auf. Der Satz „sieht blendend aus“ bekommt hier eine wortwörtliche Bedeutung. Zwischen vor Freude quiekenden Kindern und deren Müttern, die mit vollgepackten Einkaufstaschen versuchen ihrem Nachwuchs hinterher zu kommen, kämpfen wir uns näher an den Baum heran. Aus Lautsprechern tönen lautstark amerikanische Weihnachtslieder. Der Baum wurde dieses Jahr zum wiederholten Male von The Guardian zu einem der schönsten weltweit gekürt.

In Byblos will man aber nicht nur durch Größe und Beleuchtung des Baumes beeindrucken. Die Spiegelelemente und Lichterketten sollen Segel und Felsen darstellen, als Zeichen der Gegenwart, der Vergangenheit und der Vielfältigkeit der Stadt – verpackt in ein modernes Kunstwerk, als Höhepunkt der bunt dekorierten Straßen im Lande.

Der Hafen in Byblos (c) Lena Herzog

Der Hafen in Byblos (c) Lena Herzog

Irgendwann wird uns das Treiben um den Baum zu viel und wir machen einen Spaziergang zum Hafen. Dort hat man in einer ruhigen Ecke den ausrangierten Baum vom letzten Jahr abgestellt.

Der ist zwar auch golden, aber mit Lichtern hat man an ihm gespart. Aus einer nahegelegenen Kirche hören wir Adventsgesänge. Letztendlich ist es dann genau diese Szene, die mich in Weihnachtsstimmung versetzt. Und in diesem Jahr wohl auch die alten Gässchen und Palmen in Byblos – denn sollte die Geschichte so passiert sein, hat es wohl dort, wo Maria und Josef ihren kleinen Jesus in die Krippe gelegt haben, ähnlich ausgesehen.

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Lena Herzog

Lena Herzog

Lena Herzog studiert an der Universität Osnabrück „Demokratisches Regieren und Zivilgesellschaft“. Von November 2015 bis Januar 2016 überwinterte sie in Beirut als Praktikantin der Heinrich Böll Stiftung. Für ihr Forschungsprojekt traf sie viele Aktivisten, die gegen den Müll auf Beiruts Straßen und gegen die libanesische Regierung protestieren.

Das geheime Leben der Flaschenbürsten

(c) Bente Scheller

(c) Bente Scheller

Eine Flaschenbürste? Monatelang wurde ich von achselzuckenden Verkäufern weitergeschickt. Die Suche blieb erfolglos, obwohl es eigentlich nichts gibt, was man in Beirut nicht bekäme. Nun weiß ich, was es mit den Bürsten auf sich hat. Umgefärbt und windschnittig gefönt, zusammengedreht und mit Lichterketten umschlungen drängeln sie sich jetzt als Weihnachtsbäume in den Läden. Ob orange, violett oder blau, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Jeden Tag auf meinem Nachhauseweg laufe ich durch einen solchen borstig-bunten Weihnachtswald, und manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Rentiere darin mich schadenfroh angrinsen. Die ernähren sich wahrscheinlich auch nicht von Moosen und Flechten sondern (Spül-)Schwämmen.

Weihnachtsmarkt in Mar Mikhael (c) Bente Scheller

Weihnachtsmarkt in Mar Mikhael (c) Bente Scheller

Ohnehin scheinen Weihnachten und Reinlichkeit hier in einem Atemzug gedacht zu werden. Am Eingang des größten Beiruter Weihnachtsmarktes prangt eine riesige Werbeanzeige für Schädlingsbekämpfung. Dabei herrschte bei Ochs und Esel doch sicher kein Saustall.

Der schöne Schein

Beirut

Beirut

Das Elektrizitätswerk in Zahle, einer Stadt in der Nähe der syrischen Grenze, sorgte jüngst für Schlagzeilen. Es wollte alle BürgerInnen in seinem Einzugsgebiet rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, mit Strom versorgen. Das gibt es nicht einmal im Herzen Beiruts, in dem man täglich mindestens drei Stunden sehen muss, wie man zurecht kommt. Wohl eines der meistfotografierten Motive als Symbole für die nicht ganz ausgefeilte Infrastruktur der Stadt ist das Beiruter Elektrizitätswerk, weil an dessen Fassade eigentlich immer einige der Buchstaben von „Electricité du Liban“ dunkel bleiben.

Vertretungshalber: Kirschbäume

Nadelt auch nach Neujahr nicht

Wo eine Lücke, da auch ein Markt: Private Generatorenbetreiber springen ein, wenn die städtische Stromzufuhr schwächelt. Eben diese waren auch überhaupt nicht glücklich mit dem Plan der Betreiber in Zahle, und klagten, damit werde ihnen die Lebensgrundlage entzogen. Für die meisten BürgerInnen wäre es jedoch auf jeden Fall wünschenswert. Schließlich zahlt man neben der normalen Stromrechnung immer eine Generatoren-Gebühr von bis zu 125 Dollar im Monat – oder sitzt zwischendrin im Dunkeln.

Doch während der Weihnachtszeit verstummt das übliche Klagen über die Stromversorgung. An Weihnachtsbeleuchtung möchte – konfessionsübergreifend – keiner sparen. Der Weihnachtsbaum in der Küstenstadt Byblos hat es unter die schönsten Weihnachtsbäume weltweit geschafft. Im südlichen Tyros hat man ein Modell aus Autoreifen – sonst gerne bei Demonstrationen verbrannt – gebaut und grün angesprüht. Bürgersteige und Verkehrsinseln werden geschmückt, und auch an Krippenszenen mangelt es nicht. Wie die Zeitung Daily Star schreibt: oft werde das Christkind erst am Heiligabend dazugelegt. Das werfe Fragen auf – warum die Heiligen Drei Könige zum Beispiel schon da seien.

Die schönsten Beispiele einiger Lichterarrangements hier:

Darth Vader kommt die Erleuchtung

Darth Vader kommt die Erleuchtung

Grünt (errötet und gilbt) nur zur Weihnachtszeit

Grünt (errötet und gilbt) nur zur Weihnachtszeit

 

Weihnachten auf der Baustelle

Weihnachten auf der Baustelle

Billard um halb 10 morgens

Billard um halb 10 morgens

Designer-Weihnachtsbaum

Designer-Weihnachtsbaum