Happy in Gaza

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„Gaza“ und „glücklich“ sind nicht oft Worte, die man in einem Satz liest. Dass die Menschen aber trotz israelischer und ägyptischer Blockade, wirtschaftlicher Ausweglosigkeit und rigider Herrschaft der Hamas auch glücklich sein können, ist natürlich eine Banalität. Aber bei jedem Besuch im Gazastreifen bin ich aufrichtig von der Mentalität der Menschen dort begeistert, die irgendwie ein warmherzigeres, humorvolleres Naturell haben als ihre Landsleute in der Westbank – nichts weniger beweist auch das „Happy“ Video im Stil von Pharrell Williams. Das ändert nichts an der katastrophalen Lage im Gazastreifen und der Tatsache, dass insbesondere die vielen jungen Menschen unter den Bedingungen völliger Isolation derzeit wenig positive Zukunftsaussichten haben.

In der Kommentarleiste unter dem Video auf Youtube tobt – wie immer beim Thema – eine Propagandaschlacht. Grotesk sind jene Kommentare, die meinen, das Video „beweise“, dass es in Gaza keine humanitäre Krise gibt und in Gaza ein völlig normales Leben mit gutem Lebensstandards vorherrsche. Das ist Unsinn, denn die humanitäre Lage ist bedrückend, woran ein gut sortierter Supermarkt und schick gemachtes Musikvideo noch lange nichts ändern. Gleichzeitig gibt es nur wenige Stunden am Tag Strom und eine massive Trinkwasserkrise. Wer sich einen Eindruck davon verschaffen wil, sollte den Bericht „Gaza 2020“ der Vereinten Nationen lesen. Andere meinen es sei ein positives Zeichen, dass die Menschen in Gaza keine israelischen Waren boykottieren, da im Video zahlreiche israelische Produkte zu sehen sind. Auch das ist Unsinn – denn seit die Tunnel auf der ägyptischen Seite zerstört wurden, gibt es fast nur noch ausschließlich israelische Produkte in Gaza zu kaufen, die zu hohen Preisen importiert werden müssen und sich viele Menschen nicht leisten können.

 

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