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Bunte Kunst in einer Grauzone

Ein Gastbeitrag von Lena Herzog

(c) Lena Herzog 2015

(c) Lena Herzog 2015

 „Graffiti befindet sich im Libanon in einer rechtlichen Grauzone“, sagt Pierre. Er ist Franzose und bereits seit einiger Zeit als Graffitikünstler in Beirut aktiv. Heute gibt er einer bunt gemischten Gruppe von Libanesen und Ausländern aller Altersstufen eine Führung durch die Viertel Mar Mikhael und Gemmayze. Er will uns zeigen, welch tolle Kunstwerke in der Stadt in letzter Zeit entstanden sind.  Werke, denen man im Alltag meist gar keine Beachtung schenkt oder die sich in Seitenstraßen verstecken. Die Sprayer arbeiten oft tagsüber, denn im Gesetz sind nur ausdrücklich religiöse oder politische Botschaften an den Wänden verboten. Von Kunst ist keine Rede. Daher würde die Polizei die Künstler auch in Ruhe lassen, meint Pierre.

(c) Lena Herzog 2015

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Anders als in Europa findet er die Graffiti-Szene in Beirut sehr respektvoll – in vielerlei Hinsicht. Zum einen würde man sich nicht in Gangs zusammen rotten und sich gegenseitig bekämpfen, zum Beispiel durch Übersprühen anderer Graffitis. In Beirut bestehe in der Regel ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Künstlern und Sprayer, die  aus aller Welt kommen, um sich an den Wänden der Stadt zu verewigen. Zum anderen würden die Sprayer renovierte, historische oder religiöse Gebäude respektieren. Es gebe ja auch reichlich Platz an grauen

Betonwänden oder Häuserruinen aus Kriegszeiten, daher seien weder Wettbewerb noch Platzmangel ein Problem. Aber ist Graffiti in Beirut denn überhaupt von den Bewohnern der Stadt akzeptiert? Natürlich würde es Leute geben, die sich beschweren, meint Pierre.

(c) Lena Herzog 2015

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(c) Lena Herzog 2015

(c) Lena Herzog 2015

Aber der Großteil der Bewohner freue sich, dass etwas Farbe in ihr Viertel kommt und immer wieder komme es auch vor, dass die Künstler während ihrer Arbeit an einem Werk angesprochen und gelobt werden. Manchmal würden sie auch direkt gebeten, die eine oder andere Wand zu verschönern. Wenn man die Augen aufhält, kann man überall in Beirut Graffiti entdecken: Schriftzüge, Comicfiguren, lebensechte Gesichter und natürlich dürfen auch Porträts der beliebten Sängerin Fairuz nicht fehlen.

„Das einzige was schade ist“, sagt Pierre, „ist, dass es im Libanon keinen Zugverkehr mehr gibt. Es ist schon cool, wenn man zum Beispiel von Frankreich aus Botschaften auf Zügen an Sprayer in andere europäische Städte schicken kann.“

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Lena Herzog

Lena Herzog

Lena Herzog studiert an der Universität Osnabrück „Demokratisches Regieren und Zivilgesellschaft“. Von November 2015 bis Januar 2016 überwinterte sie in Beirut als Praktikantin der Heinrich Böll Stiftung. Für ihr Forschungsprojekt traf sie viele Aktivisten, die gegen den Müll auf Beiruts Straßen und gegen die libanesische Regierung protestieren.