„Ihr stinkt!“- Lautstarke Proteste, schweigende Politiker

"Ihr stinkt!" - Proteste gegen die Müllpolitik (c) Alisha Molter

„Ihr stinkt!“ – Proteste gegen die Müllpolitik (c) Alisha Molter

Wie Beiruts Müllproblem die Nation eint. Ein Gastbeitrag von Alisha Molter.

Totenstille herrscht an diesem Samstagabend in Beiruts Partyviertel Mar Mikhail, in dem ich seit Mai lebe. Ungewohnt schnell erreicht mein Sammeltaxi, den Pub „Radio Beirut“, der mich sonst um so manche erholsame Nacht bringt. Ein-, zweimal drücke ich mir auf die Ohren, aber es sind nicht meine Trommelfelle. Es ist fast so, als sei Beirut in einen Dornröschenschlaf verfallen. An den Stromausfällen kann es nicht liegen, denn die halten keinen Beiruter vom Party machen ab.

Kaum in der Wohnung, weiß ich was los ist: Ganz Beirut sitzt vor dem Fernseher! Aber es ist nicht etwa die Fußball- WM, die die Menschen ihr kaltes Bier in den Bars vergessen lässt. Es ist der Müll. Seinetwegen haben sich mehrere tausend Menschen in Beiruts Stadtzentrum zusammengefunden. Sie protestieren gegen den Abfall, der seit Wochen in den Straßen vor sich hingammelt und liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Wer es nicht vor dem Fernseher mit verfolgt, geht selbst hin.

Am nächsten Tag gehe auch ich „gucken“. Gemeinsam mit meiner libanesisch-armenischen Freundin Elza, Unterstützerin der YouReek („Ihr stinkt“) Bewegung, mache ich mich auf den Weg ins Zentrum. „Nimm Zwiebeln mit und Cola“ rät mir mein syrischer Mitbewohner. Der muss sich ja auskennen mit Revolutionen und Tränengas, denke ich, und packe etwas verunsichert auch meine Taucherbrille ein. Man weiß ja nie.

Unweit Beiruts größter Moschee ist es vorbei mit der Stille. Menschenmassen rufen aufgebracht „Verbrecher“ und „haut ab“. Ein junger Mann rennt die Straße herunter. Er trommelt wie wild auf einen Kochtopf ein. „Wir, das Volk, wollen das Regime stürzen“, brüllt die Menge in Anlehnung an die Proteste des Arabischen Frühlings. Sie alle wollen in den Innenstadtbereich „Downtown“, in dem auch das Parlament liegt. Bereits an normalen Tagen abgeriegelt und bewacht, ist er heute verbarrikadiert und für die Öffentlichkeit gesperrt. Hinter den meterhohen Stacheldrahtzäunen stehen Polizisten mit ihren Schusswaffen. Nach den Ausschreitungen am Vorabend haben sie die Sicherheitsvorkehrungen noch erhöht. Heute ist hier kein Durchkommen.

Ich mische mich unter die Demonstranten. Zelte stehen am Rande, denn einige haben die Nacht hier verbracht. Laut schallt Fairouz’ Stimme aus den Lautsprechern. Als Sangesikone weit über den Libanon hinaus bekannt, ist sie auch ein Symbol der nationalen Einheit, für die sich konfessionsübergreifend die Fans begeistern. Menschen diskutieren und rufen Parolen gegen die Polizisten. Einige Demonstranten werfen Flaschen und Stöcke auf die Beamten. Ein Aktivist stimmt über das Mikrofon die Nationalhymne an. Die Menschen schwenken Libanon-Flaggen. „Eh yalla, hukume tlaai barra !“, rufen sie, „Los, Regierung raus!“. Ähnliche Worte fanden die Beiruter das letzte Mal während der „Zedernrevolution“ 2005, als die Demonstranten die syrischen Besatzer aufforderten, das Land zu verlassen.

Der Müll ist nur Auslöser eines längst überfälligen Aufbegehrens. Die Menschen demonstrieren gegen eine Regierung, die illegitim und korrumpiert ist, gegen Wasserknappheit und tägliche Stromausfälle, gegen die Generatorenmafia und die seit einem Jahr scheiternden Präsidentschaftswahlen. Den Gestank der Müllhaufen kennt hier im Libanon jeder. Der Gestank setzt sich über konfessionelle Strukturen hinweg. Er macht weder vor Schiiten, Sunniten, Drusen, Christlich-orthodoxen, Maroniten noch einer der anderen Konfessionen Halt. Er breitet sich über alle aus. Und ist für alle nur eins: unerträglich.

Neben jungen Männern mit viel Muskelmasse schmücken sich ein paar Botoxgesichter aus der Beiruter Oberschicht mit Libanons Farben. Eine Frau, in schwarzen Schleier gehüllt, fotografiert ihre Tochter auf einem Motorrad. Ein paar junge Aktivisten springen auf einem Polizeiauto herum, das nicht rechtzeitig abgeholt wurde. Die Polizisten hinter den Stachelzäunen werfen Blendgranaten. Der Knall ist enorm. Zum ersten Mal bekomme ich ein mulmiges Gefühl. Auch Elza traut den Polizisten nicht. Gestern sind mehrere Menschen verletzt worden, als die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition in die Luft gefeuert haben.

Ein paar junge Mädchen machen unbeirrt Revolutions-Selfies. Neben mir steht eine ältere Dame aus Ashrafiehs christlicher Oberschicht. Sie spricht konsequent nur Französisch. Sie trägt rosafarbene Lackpumps und ein passendes Kleid. „Thaura, Thaura!“ ruft sie. Revolution! Beiruts Revolution mag auf den ersten Blick eigenartig erscheinen, doch für das sonst in religiöse Lager gespaltene Land ist der heutige Tag tatsächlich etwas Besonderes. „Wir wollen kein konfessionelles System mehr“ proklamiert ein selbst gemaltes Plakat in Französisch, Arabisch und Englisch. Überall wehen libanesische Flaggen. Ein 100 Meter langes rot-weißes Band wird von einem Ende zum anderen durchgereicht. Es schwebt über der Menge.

So unterschiedlich die Menschen sein mögen, sie alle scheinen die Nase voll zu haben von Tatenlosigkeit und Bereicherung der Politiker. Beirut fühlt sich gut an und erinnert an ein Volksfest: Musik, und Trommeln, jung und alt, mit Kopftuch oder ohne, alles ist bunt gemischt. „Schawarma?“ fragt uns ein Mann. Er streckt uns ein Tablett mit Hühnchensandwiches entgegen. Wir lehnen dankend ab.

Julia Boutros‘ Stimme erklingt über der Menge. „Ich atme Freiheit. Schneide mir nicht die Luft ab“, singt der libanesische Star. Ihre Worte scheinen heute fast wie ein Plädoyer gegen den Gestank. Die kommenden Tage werden zeigen, ob sie Widerhall finden, oder ob die Proteste wie so oft im Libanon sang- und klanglos verebben.

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Alisha Molter

Alisha Molter

Alisha Molter hat einen Master in „International and European Governance“ (WWU Muenster) und „Management des institutions culturelles“ (Sciences Po Lille). Nach einem Praktikum im Nahost-Büro Beirut der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt sie seit Mai 2015 das Büro Beirut als Beraterin.

Über den rattengiftbeschneiten Gipfeln der Müllberge

Müllberg bei Nacht (c) Bastian Neuhauser

Müllberg bei Nacht (c) Bastian Neuhauser

Impressionen vom 24. August 2015.  Ein Gastbeitrag von Bastian Neuhauser.

Die Straßen von Beirut können ziemlich dunkel sein. Heute Abend stinken sie noch dazu.

„Schau dir das an, du kommst doch aus Europa, sieht es da so aus?“ Ein wütender Mann mittleren Alters stiert mich aufgebracht an. Ich zucke mit den Achseln. Manchmal, denke ich mir, und Bilder von Neuköllner Altbaustraßen steigen in mir hoch.

Meine Begleitung zieht mich weiter, in eine Bar links von uns. Eine Bekannte stellt aus, Künstlerin, Armenierin, begabt. Man wirft kurz interessierte Blicke zu den bunt bestickten Bildern, die über den Tischen streitender Pärchen hängen, dann setzen wir uns in die Runde. Man stellt sich ungelenk vor.

Das Zentrum der Konversation, mit Lidschatten im Blau der Müllsäcke vor der Tür und einem Ensemble von Korallen um den Hals, dreht sich zu mir um. „Hast du gesehen, was hier draußen passiert? Wie lange soll das so weitergehen?“ Es scheint als käme ihr in diesem Moment selbst die Antwort auf diese Frage. „Khalas! Was sollen wir noch alles ertragen? Man gewöhnt sich an alles hier in diesem Land, wir haben uns daran gewöhnt nicht arbeiten zu können weil wir keinen Strom haben! Aber das?“ Sie zeigt durch die Fensterscheibe auf das rattengiftbeschneite Mittelgebirge aus Abfall. „Los! Was sitzen wir hier? Wir sollten den Müll denen vor die Haustür werfen, die dafür verantwortlich sind!“, „… Du meinst, um abgeknallt zu werden?“ lacht jemand. „Dann auf zum Parlament, jetzt gleich los, die sollen den Gestank genauso ertragen wie wir!“ Es herrscht kurz Stille, man blickt betreten auf die von einer monumentalen Käseplatte eingenommen Tischplatte, aber das Mädchen gibt nicht auf. „Dann wird es wie 2005, als jeder auf der Straße war! Das war wie der arabische Frühling vor dem arabischen Frühling. Erinnert ihr euch?“ Mittlerweile glänzen ihre Augen, einige nicken, ich habe davon nichts mitbekommen. „Was ist daraus geworden?“, frage ich unsicher. Die falsche Frage. „Nichts, es ging weiter, wie immer“, das Mädchen setzt sich.

Der Beifahrer der Begleitung will nach Hause, ich auch. Auf meinem Handy werde ich per Facebook eingeladen, das Vorhaben des Mädchens in die Tat umzusetzen. Sie war wohl nicht die erste. 2500 Zusagen, „haha, es werden sowieso wieder nur 50 kommen“, der erste Kommentar darunter. In Gemmayze kommen wir kaum vorwärts, die Straßen sind voller Menschen. „Trinken wir jetzt einfach neben den Müllsäcken weiter? Macht man das so?“ fragt der Fahrer entgeistert ins Leere. Sein Sitznachbar lacht, natürlich, so macht man wenigstens zuhause keinen Müll.

Er steigt aus, der Fahrer und ich sind allein im Auto. „Weißt du, für dich ist das bestimmt das aufregendste, was dir seit Ewigkeiten passiert ist. Aber für uns ist das immer so, ich habe die Schnauze voll.“ Ich weiß nicht was ich sagen soll. „Stell dir mal vor, wir würden selbst entscheiden, wie es läuft. Stell dir das mal vor, jede Woche würde man uns fragen: das Gesetz hier? Ja oder Nein? Wie krass das wär.“ Ja, denke ich mir, wie krass das wär.

Bastian Neuhaser

Bastian Neuhaser

Bastian Neuhauser studiert Politik und Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er verbrachte den Sommer 2015 als Praktikant im Nahost-Büro Beirut der Heinrich-Böll-Stiftung  und verfolgte dort ein Forschungsprojekt zu den Grenzen von Gender-Equality-NGOs im Libanon.

Abschied aus Gaza

Mein wahrscheinlich letzter Besuch im Gazastreifen (bevor ich Ende September Palästina verlasse) macht mich traurig. So viel Talent, so viel Möglichkeiten, so viel junge, großartige Menschen – und so unwürdige Bedingungen. Heute besuche ich zum ersten Mal die Kunstgalerie Eltiqa, eine von zwei Kunstgalerien im Gazastreifen. Die wunderbaren Künstler verarbeiten, wenig überraschend, die Lage im Gazastreifen in ihrer Kunst, den letzten mörderischen Krieg in ihren Bildern. Raed Issa hat im Krieg sein Haus verloren. „Schlimmer als die zerstörten Bauten sind die vielen verlorenen Erinnerungen.“ Die malt er auf seine Bilder zwischen Schuttberge und schafft ihnen so einen neuen Ort. Gazas Künstler leiden unter der Blockade.

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Raed Issa in der Eltiqa Galerie in Gaza (c) René Wildangel

Die benötigten Materialien, von Farben über Leinwände kommen kaum herein, müssen meist über ausländische Diplomaten eingeschmuggelt werden – als wäre auch die Kunst eine verbotene Waffe. Vor allem aber sagt Mohamed Abusal: „Kunst lebt mehr als alles andere vom Austausch, von den weltweiten Debatten.“ Aber die Künstler aus Gaza können nicht reisen. Raed hatte in den letzten Jahren Stipendien oder Ausstellungsangebote aus Europa, Mexiko, Japan und anderen Orten – aber herausgekommen ist er nie. Mohamed hat gerade ein Visum, um nach Frankreich zu reisen, aber er bekommt von Israel keine Erlaubnis für die Ausreise. So geht es Tausenden junger Menschen im Gazastreifen, die in die Isolation gezwungen werden, und dazu noch unter strenger Kontrolle der Hamasregierung stehen. Keinen Ort in Palästina habe ich in den letzten Jahren so lieben gelernt wie Gaza; es ist traurig zu sehen, wie Politik von außen mutwillig eine ganze Gesellschaft zerstört. Aber auf Dauer kann man fast 2 Millionen Menschen nicht einfach wegsperren. Ich freue mich auf den Moment, wenn Gazas junge Bevölkerung endlich in Würde leben und reisen kann.

Dazu ruft aktuell eine Avaaz-Petition auf, die hier unterzeichnet werden kann.

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Raed Issa’s painting of things and memories after his house was destroyed in the 2014 war. (c) René Wildangel

 

 

Von Schlitten und Hunden

Den Hund zum Jagen tragen ... oder so ähnlich. (c) Bente Scheller

Den Hund zum Jagen tragen … oder so ähnlich. (c) Bente Scheller

Beiruts Winter sind von sintflutartigen Regenfällen geprägt, die Sommer von einer tropischen Schwüle. Denkbar ungeeignete Bedingungen für das Halten von Tieren, die eigentlich am Nordpol heimisch sind, sollte man denken. Dennoch schaut man hinter jeder zweiten Straßenbiegung in die blauen Augen eines Huskys.

Vielleicht ist es einfach ein Missverständnis. Vielleicht interpretieren manche „Schlittenhund“ als den lebenden Wackeldackel für einen Straßenkreuzer. Oder sie denken, ihr profanes Fahrzeug würde durch einen solchen zu einem veritablen Schlitten aufgewertet.

Vorsicht, Schlittenhunde! Verpuffungsgefahr? (c) Bente Scheller

Vorsicht, Schlittenhunde! Verpuffungsgefahr? (c) Bente Scheller

 

 

Der gefürchtete Himmel – #ClearTheSky

Weather in Syria by Noura Aljawzi on Twitter

Weather in Syria by Noura Aljawzi on Twitter

Ein trauriges Muster prägt die Kriegsdynamik in Syrien: Wann immer die internationale Gemeinschaft bestimmte Formen der Gewalt verurteilt hat, hat dies nicht zu Deeskalation sondern zur Eskalation beigetragen. Diplomatisch war es kein gelungener Schachzug, früh zu erklären, man werde in Syrien nicht intervenieren, denn das Regime interpretierte dies als Erlaubmis, den Aufstand mit allen Mitteln niederzuschlagen, lange, bevor aus den Reihen der friedlich Protestierenden ernstzunehmende bewaffnete Gruppen hervorgingen. Wie es der syrische Menschenrechtsanwalt Anwar al-Bunni unlängst noch einmal auf den Punkt brachte: „Ich habe Anders F. Rasmussen immer wieder gewarnt: Seid doch einfach still, selbst wenn ihr nicht intervenieren wollt, sagt es einfach nicht. Aber sie konnten die Klappe nicht halten.“

Die Warnung des US-Präsidenten Barack Obama vor dem Einsatz von Chemiewaffen im August 2012 bescherte den Zivilisten in Syrien einen blutigen Herbst: in den Monaten nach der Ankündigung dieser roten Linie war es, dass Human Rights Watch und Amensty international verheerende Häufungen der Angriffe der syrischen Luftwaffe auf die Warteschlangen vor den Bäckereien dokumentierten. Die harmloseste aller Tätigkeiten, Brot holen für die Familie, mit der in Syrien oft Kinder betraut waren, wurde plötzlich zu einer der riskantesten. Gleichzeitig wurden auch deutlich mehr der international geächteten Streubomben und Brandbomben eingesetzt.

Während die Welt im September 2013 gebannt verfolgte, wie durch Verhandlungen eine  unausweichlich scheinende militärische Intervention abgewendet wurde, bedeutete dies für SyrerInnnen keine Erleichterung sondern lediglich eine weitere Verschärfung ihrer Situation. Statt das Regime für seine undeklarierten Bestände – weltweit zu den größten gehörend – zur Rechenschaft zu ziehen und damit ein starkes Signal für internationales Recht zu setzen, war die Botschaft: es zahlt sich aus, internationales Recht zu brechen. Je schärfer die Verletzung, desto mehr Profit kann man als autoritäres Regime daraus schlagen, wenn man sich danach kooperativ gibt. Ein Beispiel, das in jedem Handbuch für das Überleben von Diktatoren Furore machen dürfte.

Mit seiner Verpflichtung, Chemiewaffen zu übergebenging einher, dass das Regime seine Angriffe mit den weitaus tödlicheren Fassbomben intensivierte. Selbst nach der UN-Sicherheitsresolution 2139 (2014), die explizit ein Ende der improvisierten, tödlichen Frachten forderte, warf das Regime mehr, nicht weniger Fassbomben ab, jetzt sogar teileweise mit Chlorgas gepaart.

AktivistInnen haben daher zum zweiten Gedenktag des Chemiewaffen-Massakers in Ghouta nicht nur an die damaligen Opfer erinnert, sondern eine Kampagne gestartet, in der sie ein Ende des Tods aus dem Himmel fordern: #ClearTheSky ist der Hastag, unter dem Planet Syria daran erinnert, dass Fassbomben die Hauptursache von Tod und Vertreibung in Syrien sind. In fünf knappen Punkten umreißen die AktivistInnen die Hauptpunkte, warum ein Ende der Luftangriffe der wichtigste Schritt  zu einer Befridung wäre. „Für die Kämpfe in Syrien kann es keine militärische Lösung geben. Aber wie damals in Bosnien kann eine Flugverbotszone zum Schutz der Zivilbevölkerung beitragen und helfen, die kämpfenden Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen. Zu viele Syrer_innen verbringen ihre Tage damit, in den Himmel hochzuschauen und sich zu fragen, wann die nächste Fassbombe fallen und was sie treffen wird,“ heißt es im letzten Absatz der Forderungen.

Heute finden in Aachen und Köln Demonstrationen dazu statt. Aber auch zu Hause kann jederR seine Solidarität zum Ausdruck bringen, in dem er/sie ein Foto von sich macht, den Blick zum Himmel gerichtet, und es unter #ClearTheSky weiterverbreitet.

Eine Müllmänner-Rechnung

Baal-Bag statt Baalbek, in den Farben der Müllsäcke. (c) Nader Dagher

Baal-Bag statt Baalbek, in den Farben der Müllsäcke. (c) Nader Dagher

Jedes Jahr im Juli kann man in Beirut einen besonderen Akt der Annäherung Libanons an Europa beobachten – speziell an Neapel: Plötzlich türmen sich die Müllberge in den Straßen. Bei knapp 40°C beginnt die ganze Stadt wie eine einzige Deponie zu riechen.

Das ist auf zweierlei zurückzuführen: Alljährlich läuft im Juli der Vertrag des Staates mit der Mülldeponie Naame ab, die den Müll Beiruts aufnimmt. Seit dem 17. Juli ist sie daher geschlossen. Der Vertrag mit der Entsorgungsfirma – der auch jährlich nur in einem zähen Ringen verlängert wird – ist getrennt davon: Er deckt den Abtransport des Mülls ab, aber die Firma sieht die Regierung in der Pflicht, die entsprechende Halde zur Verfügung  zu stellen.

Ab in den Papierkorb? (c) RalphNader

Ab in den Papierkorb? (c) RalphNader

Entsorgung ist im Libanon ein lukratives Geschäft: 160 USD/Tonne stellt der Müllbetrieb dem Staat in Rechnung. Das ist das Doppelte und Dreifache desssen, was in anderen Staaten für die Entsorgung gezahlt wird. Die Müllentsorgungsfirma Sukleen verdient sich eine goldene Nase, alle andren halten sich die ihre zu – insbesondere die Bewohner der Küstenstadt Saida. Hier nämlich befindet sich eine der großen Mülldeponien des Landes. Mittlerweile wurden hier vier Mal so viele Abfälle abgeladen, wie ursprünglich geplant. Dass immer noch etwas zu passen scheint, liegt daran, dass die Deponie direkt an der Küste liegt und gerade im letzten Jahr durch Wind und Erosion die Hälfte der dort gelagerten Abfälle ins Meer gestürzt ist.

Obwohl klar ist, dass der omnipräsente Müll Libanon nicht attraktiver macht, geht niemand das Problem grundsätzlich an. Es wird vielmehr immer wieder nur vertagt – und das, obwohl verschiedene Organisationen über die Jahre immer wieder gute Vorstöße unternommen haben, eine Lösung zu finden. Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel die Stadt Byblos, die in Eigeninitiative den anfallenden Müll drastisch reduziert hat. 

Die Anwohner finden das gar nicht gut, aber wissen, dass sie normalerweise kein Gehör finden. Daher nutzen sie die heißeste Zeit des Jahres, um die Straße zur Deponie zu blockieren, um das Müllproblem auf die Spitze zu treiben. In der Tat gelingt es ihnen, damit landesweite Aufmerksamkeit für das Problem zu generieren. „Ein Jahr und ein paar Monate ohne Präsidenten macht dem Libanon gar nichts aus, aber zwei Tage ohne die Müllabfuhr stürzen das Land ins Chaos“, kommentiert Twitterer Ali Hashem trocken.

Imad Matar: "Der Moment, in dem man erkennt ... dass diese Männer wichtiger als jene sind" (c) Imad Matar

Imad Matar: „Der Moment, in dem man erkennt … dass diese Männer wichtiger als jene sind“ (c) Imad Matar

„Das ist der Moment … in dem man erkennt das diese Männner wichtiger sind als jene,“ betitelt ein anderer eine Gegenüberstellung von Fotos von Müllmännern und Politikern.

Die Libanesen sind hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung und Humor. „Heute morgen haben sie den Müll unter der Salim-Salam-Brücke angezündet – sieben oder acht Container, um die auch der ganze Müll herumlag“, erzählt meine Kollegin, „die Feuerwehr war schon dabei zu löschen, aber der Asphalt auf der Brücke hat Blasen geworfen, weil es so heiß war.“ Ganz praktische Vorschläge, wie man selbst zur Linderung des Müllproblems beitragen kann, machen Karim Chehayeb und Sarah Shmaitilly auf ihrem Blog „Beirut Syndrom.“ Recycling steckt im Libanon noch in den Kinderschuhen, aber es gibt Stellen, an denen man Altglas, Altpapier oder Altmetall loswerden kann. 

Das zerstrittene Kabinett hat es in seiner heutigen Sitzung nicht geschafft sich auf eine Lösung  zu einigen und sich auf Dienstag nächster Woche vertagt. Noch mindestens weitere fünf Tage also stinkt die politische Krise des Libanons zum Himmel.

AktivistInnen füllen syrisches Sommerloch mit Schutt

Die Aufforderung der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA, Bilder vom Sommer in Syrien zu posten

Die Aufforderung der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA, Bilder vom Sommer in Syrien zu posten

Das hatte sich die Öffentlichkeitsarbeit des syrischen Regimes besitmmt anders vorgestellt, als sie den Hashtag #SummerInSyria bewarb: „Zeigt uns eure Schnappschüsse des Sommers“, forderte die staatliche Nachrichtenagentur SANA die Leser auf. Zur Aufmunterung postet SANA selbst unter diesem Hashtag fröhliche Events, die man auf keinen Fall verpassen sollte – eine DJ-Party in der Bar „Der Pate“ in Tartous zum Beispiel. Besonders hübsch ist, dass auf dem Plakat der Hinweis „Don’t drink and drive“ nicht fehlt. Die Sicherheit der BürgerInnen ist eben ein wichtiges Anliegen.

Nun stellt sich die Frage, was zynischer ist – die Farce, vorzuspielen, dass in Syrien alles in Ordnung sei und man sich allenfalls den Kopf darüber zerbrechen müsse, wo man abends ausgeht, oder die Bilder von Krieg und Zerstörung, mit denen findige AktivistInnen den Hashtag für sich besetzen.

Einige SyrerInnen haben sich die Gelegenheit nämlich nicht entgehen lassen, ihre „Sommer-Bilder“ einzustellen. @aamal_dani schreibt: #SummerInSyria ist eine einmalige Gelegenheit, Feuerwerk, das vom Himmel fällt, nicht nur zu sehen sondern auch anzufassen. @AlanaBowker posted das Foto eines kleinen Mädchens, das mit einem Bagger in der Hand auf einem Trümmerhaufen steht: #SummerinSyria – nur ein paar mehr Fassbomben, und das hier wird alles weißer Sand sein.“

@al_7aleem twittert: „Trinke gerade Tee, genieße die Aussicht von meinem Balkon. #Homs #SummerInSyria“, und „Not a Spy“ stellt ein Foto der Flüchtlingswelle aus Idlib ein: „Mach mit beim Charity Run – #SummerInSyria“, schreibt er dazu.

@al_7aleem: Just having some tea enjoying the view from my balcony. #Homs #SummerInSyria

@al_7aleem: Just having some tea enjoying the view from my balcony. #Homs #SummerInSyria

Mit welchem Ziel SANA die Kampagne gestartet hat, ist fraglich. Normalität vorspiegeln, wie es auch andere SANA-Meldungen tun, zum Beispiel die über eine Tourismus-Messe in Damaskus, oder darüber, wieviel Syrien im Bereich des Naturschutzes („Wildlife protetion“) tut.

„Man sollte meinen, dass es derzeit schon zu viele ‚ausländische Touristen‘ in Syrien gibt,“ schrieb ein Twitterer mit einem Seitenhieb auf die zahlreichen ausländischen Kämpfer: Zehntausende zumeist schiitische Söldner hat das Regime aus dem Ausland angeworben, und dem gegenüber werden insbesondere in den Reihen von ISIS Tausende ausländischer sunnitischer Islamisten vermutet. Gegen all diese hatte sich die syrische Zivilgesellschafts-Kampagne „No tourists with weapons“ gerichtet.

 

 

Yarmouk – ist das nicht, wo ISIS …?

„Blue“YouTube Preview Image

„Delegationen kommen, Delegationen gehen … es werden immer mehr Delegationen und immer mehr Versprechen – oh, was sind das für Zeiten,“ singen melancholisch die berühmt gewordenen „Piano-Helden“ von Yarmouk. Verwoben ist die Sequenz in den Dokumentarfilm „Blue“ des palästinensisch-syrischen Musikers und Regisseurs Abu Gabi, der damit den diesjährigen Samir-Kassir-Preis für Pressefreiheit im Libanon in der Rubrik Audiovisuelle Medien gewonnen hat. Das ist in mehrerlei Hinsicht erfreulich: erstens, weil es ein wunderbarer Film ist, in dem die Erinnerungen des Musikers mit der heutigen Lage zusammengebracht werdden.

Zweitens, weil es Yarmouk in Erinnerung ruft. „Yarmouk, ist das nicht was neulich von ISIS erobert wurde?“  Dass ISIS das Lager letztlich nicht übernommen hat, sondern – trotz der willkürlichen Luftangriffe des Regimes, nicht wegen – von den Bewohnern zurückgedrängt worden ist, ist nur von wenigen realisiert worden.

Yarmouk, zuvor zum Inbegriff des Leidens in Syrien geworden, scheint seit dem Überfall der Terrormiliz nur noch durch sie im kollektiven Gedächtnis präsent. ISIS temporärer Terror dort hat augenscheinlich die fürchterlichen Bilder der Massen, die dort um Essen anstehen aus dem Gedächtnis verdrängt.

Von den einst 450.000 BewohnerInnen des äußerst lebensfrohen Stadtteils von Damaskus, der als Palästinensercamp seinen Anfang nahm, sind schätzungsweise nur knapp über 10.000 geblieben. Die meisten sind geflohen, weil das Regime Yarmouk seit über zwei Jahren belagert und systematisch aushungert. ISIS hat für eine weitere Fluchtwelle aus dem Camp gesort. Umso schöner ist es, mit einem solchen Film den Geist zwischen den Ruinen von Yarmouk plakativ in den Vordergrund zu rücken: dass es nicht nur ein Hort von Kämpfern ist, sondern dass es weiterhin dort Zivilisten gibt, die sich weigern kleinbeizugeben, und die trotz allem, was ihnen widerfährt, den Kampf für ihre Rechte auf friedlichem Wege fortsetzen.

In diesem Jahr stammten alle drei Finalisten-Beiträge in dieser Kategorie aus den Produktionen von Bidayyat, und alle drei sind sehenswert: Ein armenischer Opernsänger spricht in dem Film „1915“ über das komplexe Verhältnis von Armeniern zu den jeweiligen Ländern und Gesellschaften in denen sie sich aufahlten. „Armenier, die nach Deir ez-Zor flohen, wurden von der dortigen Bevölkerung aufgenommen, und es wurde ihnen geholfen, ein neues Leben zu beginnen. Heute, 100 Jahre später sind sie wieder auf der Flucht. Aber diesmal sind sie nicht alleine. Die Leute aus Deir ez-Zor fliehen mit ihnen gemeinsam,“ sagt der Protagonist an einer Stelle.

In „Frontline“ filmt der Regisseur Saeed Batal, der sich weiterhin in der von Belagerung zermürbten und durch die Luftschläge des Regimes zerstörten Ghouta befindet, einen Scharfschützen, der letztlich die Waffe weglegt, um Bäcker zu werden. Schöner und melancholischer kann man in 12 Minutenn ichtauf dne Punkt bringen, wonach sich viele in Syrien sehen: Normalität, aber eine andere Normalität, als die, die sich im Krieg in vielen kleinen Enklaven auch an der Front etabliert.

Fatale Fußnoten: Wieso die Flüchtlingszahlen im Libanon nicht steigen

Schule im Norden Syriens (c) Mustafa Haid 2013

Schule im Norden Syriens (c) Mustafa Haid 2013

1.183.327 registrierte syrische Flüchtlinge gibt es derzeit im Libanon – und dabei wird es auch einstweilen bleiben, ist seit eingen Tagen auf der Webseite der Vereinten Nationen zu lesen. Was nach einer guten Nachricht klingen mag – so, als habe sich die Situation in Syrien gebessert und als gäbe es weniger Anlass zu fliehen, ist in Wirklichkeit die Fortschreibung von Ungerechtigkeit, verbrämt durch eine Statistik.

Bereits im Januar 2015 hatte die libanesische Regierung Schritte unternommen, um den Flüchtlingsstrom zu begrenzen. Konnten SyrerInnen zuvor ohne Pass, nur mit ihrem Personalausweis einreisen, so müssen sie seither gute Gründe geltend machen, um in den Libanon wollten. Eine Hotelreservierung und eintausend Dollar Bargeld erfüllen einige der offiziellen Anforderungen. Auch ein Termin für einen Visumsantrag bei einer der Botschaften in Beirut hilft. Letztlich liegt es aber in der Hand der Grenzbeamten, wer einreisen kann. Besser gekleidete haben es deutlich leichter als diejenigen, die schon nach Flüchtlingen aussehen. Insofern überquerten in den letzten Monaten deutlich weniger SyrerInnen als zuvor die Grenze zum Libanon.

Nun ist findigen administrativen Geistern noch etwas eingefallen, das die Statistiken besser aussehen lässt: „Vom 6. Mai 2015 an registriert das UN-Flüchtlingshilfswerk im Libanon temporär keine neuen Flüchtlinge, auf Weisung der libanesischen Regierung. Folglich werden Flüchtlinge, die auf die Registrierung warten, nicht länger berücksichtigt,“ heißt es in einer Fußnoten zu den Libanon-Statistiken des UNHCR. 

Das ist für die Versorgung der Flüchtlinge fatal. Schon jetzt gibt es erhebliche Engpässe in der Versorgung, da die zur Verfügung gestellten Mittel dem Ausmaß der Krise nicht gerecht werden. Nach einem dramatischen Aufruf des Welternährungsprogramms (WFP) im Dezember 2014 konnte zwar das Schlimmste abgewendet werden, aber die pro-Kopf-Leistungen wurden von $27,70 auf $19 pro Kopf pro Monat heruntergefahren. „WFP hat seine Programme enger darauf zugeschnitten, lediglich die Bedürftigsten einzubeziehen,“ heißt es in einem Informationsblatt es WFP. Das heißt: Schwangere und Kinder. Neunzehn Dollar im Monat – das sind dreiundsechzig Cent am Tag. Ein Packung Brot kostet mindestens einen Dollar, ein Liter Milch rund 2 Dollar.

Doch auch für den Libanon ist diese Politik nicht eben von Vorteil. Bereits im April hatte der syrische Sozialwissenschaftler Haid Haid in einem Kommentar für die taz einige der Folgen der Veränderten Einreisepolitik für den Libanon aufgegriffen: „Zwar sank die Zahl der legal einreisenden Syrer von täglich 8.000 auf 3.000, wie eine hochrangige Quelle des libanesischen Innenministeriums eine Woche nach Einführung der Maßnahmen der Zeitung Asharq al-Awsat erklärte. Gleichzeitig nimmt natürlich die illegale Einwanderung zu, denn der Krieg in Syrien geht ja unverändert brutal weiter. Mit dem Unterschied, dass die Ausbeutung von vertriebenen Syrern nun noch leichter wird,“ heißt es hier.

Die Auswirkungen beschreibt das WFP selbst in zwei Papieren: „Infolge dessen, dass nur noch Gutscheine geringeren Wertes ausgegeben worden sind, haben rund 80% der Betroffenen negative Wege eingschlagen, damit umzugehen. Unter anderem leihen sie sich Geld, um ihre unmittelbaren Bedrüfnisse abzudecken. Zudem haben 14% der Familien angegeben, ihre Kinder aus der Schule genommen zu haben, 4% gaben an, sie zur Arbeit zu schicken. Wenn weiterhin nur solch geringe Summen ausgezahlt werden können, ist zu erwarten, dass die Betroffenen noch weniger geschützt sind und dass die Spannungen mit den Aufnahmegemeinden steigen.“

Schmerzende Waden in Bethlehem: Palästina-Marathon

Wie alles hier vor Ort ist auch der Lauf politisch: Der jetzt zum dritten Mal veranstaltete Palästina-Marathon wird jährlich von der internationalen Kampagne „Right to Movement“ veranstaltet. Der in Dänemark ansässigen Initiative geht es darum, auf das Grundrecht zur freien Bewegung innerhalb eines Landes (Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) aufmerksam zu machen – und wie eben jenes der Palästinenser in der Westbank und im Gazastreifen verletzt wird. Das wird kaum in einer Stadt deutlicher als in der eingemauerten Stadt Bethlehem. Die historische nur wenige Kilometer entfernte Nachbarstadt von Jerusalem ist durch die israelische Sperranlage völlig von der arabischen Metropole Ost-Jerusalem abgeriegelt.

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Läufer bereiten sich auf den 3. Palästina-Marathon vor. Foto: CC-BY-SA René Wildangel

Die politische Aktion unterstütze ich mit meiner Teilnahme (die 10-Kilometer-Variante, nicht den Marathon: das reicht schon für schmerzende Waden), zwei Mitarbeiterinnen unseres Heinrich-Böll-Stiftungsbüros nehmen auch teil. Morgens um 5.30 geht es los in Richtung Bethlehem für den Lauf, der um 8 Uhr beginnen soll, da auch ich nicht weiß ob die israelische Armee Checkpoints schließt und den Lauf möglicherweise behindert. So wie dies bei zahlreichen anderen palästiennsischen Großveranstaltungen geschieht. Besonders in Jerusalem, wo aufgrund der israelischen Restriktionen das palästinensische Kultur- und Sportleben kaum stattfinden kann. Gegen den jährlichen Jerusalem-Marathon protestieren PalästinenserInnen und Menschenrechtsorganisationen, da er auch durch Teile des besetzten Ost-Jerusalems führt und die international nicht anerkannte israelische Annexion Ost-Jerusalems zementieren soll.

Immerhin 50 Läufer aus Gaza können in Bethlehem teilnehmen. Ihnen wurde von Israel die Erlaubnis zur Ausreise erteilt. Der Gazastreifen wird von Ägypten und Israel nahezu vollständig abgeriegelt, nur wenige Menschen können mit willkürlich erteilten Genehmigungen ausreisen. Wie sportlich die Läufer aus Gaza sind bewies Nader al-Masri. Der ehemalige Olympiateilnehmer (Peking 2008), dessen Haus bei israelischen Luftangriffen im Sommer 2014 zerstört wurde, gewann den Marathonlauf in der Siegerzeit von 2:47:15.